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    Inhalt - Berufsordnung

    Präambel

    Mit ihrer beruflichen Tätigkeit setzen sich die Physiotherapeutinnen und -therapeuten tagtäglich für das Wohl vieler Menschen ein. Da sich dadurch vielfältige Begegnungen ergeben, drängen sich bestimmte einheitliche Grundsätze auf, die das Verhalten von Physiotherapeutinnen und -therapeuten gegenüber Patientinnen und Patienten, Leistungsnehmenden, Berufskolleginnen und -kollegen und der Öffentlichkeit regeln.

    Der Kantonalverband Zentralschweiz des Schweizer Physiotherapie Verbandes Fisio hat in diesem Sinne die vorliegende Berufsordnung verfasst. Sie ist der Berufsordnung des nationalen Verbandes untergeordnet. Sie dient als Verhaltensorientierung für die einzelnen Mitglieder in verschiedenen Verantwortungsbereichen, der ethischen Konsensbildung innerhalb des Verbandes und als Grundlage für die Abklärung und Behandlung von Beschwerden. Sie ist für alle Mitglieder des Schweizer Physiotherapie Verbandes in den Kantonen des Kantonalverbandes verbindlich und als Verhaltenskodex für alle Physiotherapeutinnen und -therapeuten von Bedeutung.
     

    1. Ethische Grundsätze

    1.1 Physiotherapie als Dienstleistungsanbieterin im Gesundheitswesen

    Die Physiotherapeutinnen und -therapeuten bieten Leistungen zur Verhütung von Krankheiten und Unfällen, zur Behandlung von kranken und verunfallten Menschen und zur Erhaltung der Gesundheit an. Sie sind innerhalb des durch die Sozialversicherungen und die Gesundheitsgesetzgebung geregelten Bereiches sowie im direkten Markt mit der/dem Leistungsnehmenden tätig.

    Alle Physiotherapeutinnen und -therapeuten sind an dieselben Qualitäts- und Gewissenhaftigkeitsansprüche gebunden, wie sie in den folgenden Grundsätzen formuliert sind.


    1.2 Behandlungsgrundsätze

    Die Physiotherapeutinnen und -therapeuten setzen sich im Rahmen der Möglichkeiten ihres Berufes dafür ein, die Patientin / den Patienten zu unterstützen, auch im Interesse der gesamten Gemeinschaft, um:    

    • die Gesundheit als wichtiges Element der Lebensqualität wieder zu erlangen oder zu erhalten
    • eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes zu verhindern oder zu vermindern
    • eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes zu verhindern oder zu vermindern


    Sie behandeln, betreuen und beraten alle Patientinnen und Patienten mit gleicher Sorgfalt. Sie treffen eine auf die Behandlungsziele ausgerichtete optimale Therapiewahl und achten auf eine effektive, effiziente und kostenbewusste Behandlung. Sie stellen ein patienten- und therapiegerechtes und hygienisches Behandlungsumfeld sicher.

    2. Verhalten gegenüber den Patientinnen und Patienten

    2.1 Respekt gegenüber der Person

    Die Physiotherapeutinnen und -therapeuten respektieren die Patientin / den Patienten in ihrer/seiner Persönlichkeit, Autonomie und Würde.

    Sie orientieren die Patientin / den Patienten sowie - bei Bedarf und mit Einverständnis der Patientin / des Patienten - ihre/seine Angehörigen in verständlicher Form über den Befund und die therapeutischen Massnahmen. Bei Kindern und Unmündigen werden die Inhaber der elterlichen Gewalt oder deren gesetzliche Vertretung informiert.

    2.2 Abhängigkeitsverhältnis

    Die Physiotherapeutinnen und -therapeuten sind bestrebt, mit der Patientin / dem Patienten ein therapeutisches Verhältnis im gegenseitigen Einverständnis zu schaffen. Jeglicher Missbrauch, der sich aus einem Abhängigkeitsverhältnis mit Patientinnen/Patienten, Mitarbeiterinnen/Mitarbeitern sowie Drittpersonen ergeben könnte, ist zu unterlassen.

     2.3 Schweigepflicht und Datenschutz

    Die Physiotherapeutinnen und -therapeuten verpflichten sich zur Einhaltung des Berufsgeheimnisses und zur aktiven Sicherung der ihnen anvertrauten Daten.

    Sie behandeln Informationen über Personen und Institutionen, die sie im Zusammenhang mit beruflichen Beziehungen erhalten, vertraulich.

    Im Interesse und mit Einwilligung der Patientin / des Patienten informieren sie die zuweisende Ärztin / den zuweisenden Arzt über den Behandlungsverlauf und das Behandlungsergebnis.

    Ist die Weitergabe vertraulicher Daten durch gesetzliche Bestimmungen vorgeschrieben und durch die zuständige Behörde angeordnet worden, muss dies den betroffenen Personen unter Angabe von Grund und Inhalt der Information mitgeteilt werden.

    3. Verhalten in der Öffentlichkeit

    Das Auftreten in der Öffentlichkeit und die Medientätigkeit zur Vertretung und Förderung der Interessen des Berufes der Physiotherapie sind erwünscht. Stets hat dabei die Sache und nicht die Person der Physiotherapeutin / des Physiotherapeuten im Vordergrund zu stehen. Werbung im Rahmen des Gesundheitsgesetzes ist erlaubt. Die Physiotherapeutinnen und -therapeuten verpflichten sich bei der Bekanntmachung ihrer fachlichen Qualifikationen und Angebote zu Ehrlichkeit, Sachlichkeit und Verhältnismässigkeit.

    4. Verhalten im beruflichen Umfeld

    Die Physiotherapeutinnen und -therapeuten verhalten sich im Umgang mit den in ihrem beruflichen Umfeld tätigen Fachpersonen, mit den Vertragspartnern sowie mit ihren beruflichen Kolleginnen und Kollegen korrekt und ehrlich.Physiotherapeutinnen und -therapeuten sind sich der Bedeutung der anderen Gesundheitsberufe wie auch der Kostenträger im Gesundheitswesen bewusst und achten die Persönlichkeit von deren Angehörigen.

    5. Verhalten gegenüber Berufskollegen

    Handlungsweisen, die eine Berufskollegin / einen Berufskollegen in der persönlichen oder beruflichen Ehre ungerechtfertigterweise verletzen, sind zu unterlassen.

    Gegenüber Dritten bleiben die Physiotherapeutinnen und -therapeuten in ihren Äusserungen über die Behandlungsweise einer Berufskollegin / eines Berufskollegen sachlich und objektiv.

    Streitigkeiten unter Berufskolleginnen und -kollegen, die auf einer Verletzung der Berufsordnung, im Besonderen auf unkollegialem Verhalten beruhen, sollen direkt oder durch Vermittlung einer Drittperson bereinigt werden. Schlägt der Versuch der gütlichen Einigung fehl, ist der Streit vor der Blauen Kommission auszutragen.

    6. Fachliche Kompetenzsicherung

    Die Physiotherapeutinnen und -therapeuten üben ihre Tätigkeiten nach bestem Wissen und Gewissen aus. Sie kennen ihre fachlichen Grenzen und ziehen bei Bedarf kompetente Berufskolleginnen und -kollegen oder Fachleute hinzu.

    Die Physiotherapeutinnen und -therapeuten sind sich der ständigen Entwicklung der Arbeitstechniken und des Berufs-wandels bewusst. Sie wahren und fördern ihr Wissen und Können durch permanente und bedarfsorientierte Fort- und Weiterbildung . Sie informieren sich regelmässig über die ihre beruflichen Tätigkeiten betreffenden Bereiche.

    Sie benützen bei ihrer Tätigkeit die gebotenen Mittel der Qualitätssicherung.

    Durch ihre Handlungsweise fördern sie die interdisziplinäre Zusammenarbeit.

    7. Anwendung und Durchsetzung der Berufsordnung

    7.1 Geltungsbereich und Zuständigkeit

    Die Berufsordnung ist für alle Mitglieder des Kantonalverbandes Zentralschweiz des Schweizer Physiotherapie Verbandes Fisio verbindlich.

    Für die Einhaltung der Berufsordnung bildet der Kantonalverband Zentralschweiz eine kantonale Berufsordnungskommission (kBOK). Diese beurteilt Verstösse der Mitglieder gegen die Berufsordnung. Entscheide der kBOK können im Rekursverfahren an die Berufsordnungskommission des Zentralverbandes weitergezogen werden. Der Kantonalverband kann die Durchführung eines Beschwerdeverfahrens vor der BOK beantragen.


    7.2 Beschwerdebefugnis

    Beschwerde führen können natürliche oder juristische Personen, welche durch den Verstoss gegen die Berufsordnung in ihren rechtlichen oder durch die Berufsordnung geschützten Interessen verletzt worden sind.

    Bei schweren oder fortgesetzten Verstössen gegen die Berufsordnung kann die kBOK von Amtes wegen ein Beschwerdeverfahren einleiten.

    7.3 Beschwerdeschrift

    Die Beschwerde ist schriftlich bei dem Vorsitzenden der kBOK einzureichen.

    Sie hat die Personalien des beschwerdebeklagten Mitgliedes und eine Beschreibung des gerügten Verstosses gegen die Berufsordnung zu enthalten. Zur Abklärung des Sachverhaltes geeignete Unterlagen und Dokumente sind beizulegen.


    7.4 Verfahrensablauf

    Die Reglemente der kBOK und die BOK der SPV legen den Verfahrens- und Rekursablauf fest.

    7.5 Verjährung

    Die Verfolgung von Verstössen gegen die Berufsordnung verjährt nach zehn Jahren. Die Verjährung läuft ab dem zu verfolgenden Verstoss oder - bei Verletzung der Patientenrechte - mit Abschluss der Behandlung. Ist die/der in ihren/seinen Rechten verletzte Patientin/Patient zum Zeitpunkt des Verstosses minderjährig, beginnt die Verjährungsfrist mit dem Eintritt der Volljährigkeit. Liegt eine strafbare Handlung vor, für die das Strafrecht eine längere Verjährung vorsieht, so gilt diese Frist.

    7.6 Sanktionen

    Als Sanktionen können ausgesprochen werden:

    • Verweis
    • Geldbusse
    • Suspendierung der Mitgliedschaft auf bestimmte Zeit
    • Ausschluss aus dem Verbandes

    Mitteilung an die zuständige Gesundheitsdirektion oder das geeignete Kostenträgerorgan.            

    Die einzelnen Sanktionen können miteinander verbunden werden. Sie werden dem beschwerdebeklagten Mitglied schriftlich mitgeteilt.

    Bei der Aussprache einer oder mehrerer Sanktionen werden dem beschwerdebeklagten Mitglied die Verfahrenskosten auferlegt. Im Falle eines Ausschlusses muss das ausgeschlossene Mitglied den vollen Mitgliederbeitrag für das laufende Jahr bezahlen.

    7.7 Rekurs

    Sowohl die beschwerdeführende als auch die -beklagte Person hat die Möglichkeit, gegen die Sanktionen b) bis e) innerhalb von 30 Tagen nach Erhalt des Entscheides bei der BOK des Schweizer Physiotherapie Verbandes Fisio Rekurs einzulegen.

    8. Genehmigung durch die Generalversammlung

    Die Berufsordnung des Kantonalverbandes Zentralschweiz tritt nach der Genehmigung durch die Generalversammlung vom 5. März 2001 in Kraft.

    Luzern, 5. März 2001                            

    Die Präsidentin                                         Der Vize-Präsident
    Jolanda van Bentum                                Paul Graf

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